Warum junge Leute lieber Landwirt werden als Social-Media-Star oder Softwareentwickler
Regional verwurzelt, digital ausgerichtet – die Ausbildung, die junge Talente begeistert

Auszubildende bestimmen  PflanzenZoombild vorhanden

© Theresia Dietz

Die angehenden Landwirtinnen und Landwirte des ersten Ausbildungsjahres haben am Praxisschultag 2026 „Grünland und Düngung“ eindrucksvoll gezeigt, wie sich das Bild des Landwirts im Wandel der Zeit neu definiert.

Der Beruf Landwirt/-in gilt seit jeher als Symbol für harte körperliche Arbeit, lange Tage und ein abgelegenes Landleben. Dieses traditionelle Bild – schmutzige Hände, wenig Freizeit und ein konservatives Umfeld – ist jedoch längst überholt. Heute steht die Landwirtschaft im Zentrum einer gesellschaftlichen Aufgabe. Es ist ein Beruf der nicht nur handwerklichen Fähigkeiten, sondern auch ein Verständnis für Nachhaltigkeit, Datenanalyse und automatisierte Prozesse erfordert.

Landwirt/-in - ein anspruchsvoller Beruf braucht eine gute Grundausbildung
Die Ausbildung im ersten, betrieblichen Lehrjahr spiegelt diese Vielschichtigkeit des Berufes wider. Die Auszubildenden lernen zunächst die Grundlagen: Wissen über Tier, Pflanze und Umwelt. Darüber hinaus trainieren sie im praktischen Arbeitsalltag auch persönliche und methodische Kompetenzen wie z.B. Entscheidungsfreudigkeit, reflektiertes Denken und den Umgang mit digitalen Anwendungen im Arbeitsalltag. „Unsere Aufgabe ist es, die Grundlagen zu vermitteln, aber gleichzeitig die Azubis für die digitale Zukunft zu rüsten. Nur so bleibt die Landwirtschaft konkurrenzfähig“ – so das Fazit von Julian Megner, Referent am Praxisschultag.
Tief verwurzelt oder Neugier auf einen spannenden Beruf?
Ein besonderes Merkmal der heutigen Ausbildung ist die zunehmende Heterogenität der Azubis. Während früher fast ausschließlich Jugendliche aus landwirtschaftlichen Familien den Weg in den Beruf fanden, beginnen heute immer mehr junge Menschen ohne landwirtschaftlichen Hintergrund die Ausbildung. Die Beweggründe diesen Beruf zu lernen, reichen vom Interesse an moderner Technik bis zum Wunsch, aktiv an der Gestaltung einer nachhaltigen Zukunft mitzuwirken.

Wieso haben die angehenden Landwirtinnen und Landwirte aus unserer Region die Ausbildung begonnen?
Porträtfoto Julia SchmutzZoombild vorhanden

© Rebecca Steinmüller

Julia Schmutz
„Ich erlerne den Beruf, weil mir die Arbeit in der Natur und mit den Tieren sehr viel Spaß macht. Ich kann die Ausbildung empfehlen. Manche mögen eher die Arbeit mit Tieren oder andere eher die Arbeit auf dem Acker. Natürlich sollte man sich alle Betriebszweige mal anschauen. Aber schließlich ist es wichtig dort den Schwerpunkt zu setzen, wo man am meisten Freude hat, weil man sich jeden Tag damit auseinandersetzten muss.“
Porträtfoto Janinna FrankZoombild vorhanden

© Rebecca Steinmüller

Janina Frank
„Ich habe das Leben in der Landwirtschaft schon von klein auf von zuhause mitbekommen. Da ist man einfach mit dabei und es macht mir sehr viel Spaß. Vor allem die Arbeit mit den Tieren - da bin ich am liebsten. Der Beruf bietet einfach viel Abwechslung. Man kann sich nicht darauf verlassen, dass es am nächsten Tag genauso ist, wie man es geplant hat. So lernt man ständig Neues dazu.“


Justus Lehnert
„Ich komme nicht direkt vom Hof. Die Frage - wieso ich Landwirt lerne, werde ich immer gefragt, wenn mein Beruf zur Sprache kommt. Tatsächlich habe ich immer schon ein Bezug zur Landwirtschaft. Ich habe mich einfach schon immer dafür interessiert. Ich war oft mit meinem Opa draußen unterwegs und da sieht man die moderne Technik, die Tiere und die Natur und das Ganze hat mich schon immer gepackt.“
Ausbilder und Ausbildungsberaterin im Gespräch Zoombild vorhanden

© Theresia Dietz

Ein Erfolgsfaktor – der passende Ausbildungsbetrieb
Markus Hartmann, langjähriger Ausbilder, betont im Gespräch wie wichtig es ist, dass die Auszubildenden den richtigen Ausbildungsbetrieb finden. Das Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf dem Familienbetrieb ist oft klein, umso wichtiger ist es, dass sich der Auszubildende, aber auch die eigene Familie mit dem neuen Teammitglied wohlfühlen. Auf der Suche nach einem Auszubildenden achte ich auf folgende Eigenschaften: „Ein guter Azubi sollte wissbegierig sein, offen für Neues und noch nicht so eingefahren. Wichtig ist auch das grundlegende Interesse an Technik, Tieren und allgemeinbildenden Fragen.“
Einen Blick in die Zukunft wagt Bildungsberaterin Rebecca Steinmüller
„Auch das Spektrum an Aufgaben, die bewältigt werden müssen, hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Bereits heute nutzen die Azubis im Arbeitsalltag GPS-Steuerung auf den Traktoren oder digitale Datenaufzeichnungs-Tools zur Förderung der Tiergesundheit oder Einhaltung von gesetzlichen Auflagen. Ich bin gespannt, ob die Azubis der Zukunft ihre Ersatzteile im 3D-Drucker fertigen und mit der Programmierung der autonomen Fahrzeuge beschäftigt sind.“ – so Rebecca Steinmüller, Ansprechpartnerin für Bildungsfragen am AELF Bad Neustadt.

Ansprechpartnerin

Rebecca Steinmüller
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